Daniel Kahneman und Amos Tversky zeigten in den späten 1970er Jahren etwas, das seither in hunderten Studien bestätigt wurde: Menschen empfinden einen Verlust etwa doppelt so stark wie einen gleich großen Gewinn. Wer 1.000 Euro verliert, ärgert sich ungefähr so sehr, wie er sich über 2.000 Euro Gewinn freuen würde.
Was daraus folgt
Diese Asymmetrie ist kein Denkfehler im engeren Sinn — sie war evolutionär sinnvoll. Für Anlageentscheidungen erzeugt sie aber drei wiederkehrende Muster:
Zu langes Festhalten an Verlusten. Solange nicht verkauft wurde, fühlt sich der Verlust nicht endgültig an. Der Verkauf macht ihn real, deshalb wird er aufgeschoben.
Zu frühes Realisieren von Gewinnen. Umgekehrt wird ein Gewinn gern mitgenommen, bevor er wieder verschwinden kann.
Übergewichtung seltener Ereignisse. Ein Crash, der alle zwanzig Jahre vorkommt, fühlt sich näher an, als er ist — besonders kurz nachdem einer stattgefunden hat.
Der Bezug zu einem Risikosignal
Ein Signal, das den Marktzustand beschreibt, hilft genau an dieser Stelle: es verschiebt die Entscheidung von "Wie fühlt sich das gerade an?" zu "Was sagen die Daten?". Das ersetzt kein Urteil — es gibt ihm nur eine zweite, unbeteiligte Stimme.