Die Zinsstrukturkurve zeigt, welche Rendite Anleihen desselben Schuldners bei unterschiedlicher Laufzeit abwerfen. Normalerweise steigt sie an: wer sein Geld für zehn Jahre verleiht, verlangt mehr als jemand, der es für zwei Jahre weggibt. Das ist der Preis für Unsicherheit und entgangene Gelegenheiten.
Was Inversion bedeutet
Von einer inversen Kurve spricht man, wenn kurze Laufzeiten mehr abwerfen als lange. Der Markt sagt damit zweierlei: Die Notenbank hält die kurzen Zinsen gerade hoch, um die Konjunktur zu bremsen — und die Anleger erwarten, dass das gelingt und die Zinsen später wieder fallen werden.
Genau diese Erwartung ist das Signal. Wer langfristige Anleihen kauft, obwohl kurzfristige mehr bringen, rechnet mit schlechteren Zeiten.
Die Trefferquote
In den USA ging seit 1955 jeder Rezession eine Inversion der Differenz zwischen zehnjährigen und zweijährigen Staatsanleihen voraus. Das ist eine bemerkenswerte Bilanz für einen einzelnen Indikator.
Warum sie allein nicht reicht
Zwei Einschränkungen wiegen schwer. Erstens verzerren Anleihekäufe der Notenbanken die langen Laufzeiten; die Kurve misst dann teilweise Geldpolitik statt Markterwartung. Zweitens gab es Fehlsignale: 1966 folgte auf eine Inversion keine Rezession, sondern eine Wachstumsdelle.
Deshalb steht die Zinsstrukturkurve bei uns nicht allein, sondern als einer von mehreren Bausteinen im Makro-Layer.