Vermögen & Marktrisiken

Börsencrash verstehen

Von Stefan Domeyer·Diplom-Kaufmann · Gründer von SignalFrog·

Ein Crash ist kein einzelnes Ereignis, sondern eine Verkettung. Am Anfang steht meist eine Verschiebung, die für sich genommen unspektakulär ist: steigende Finanzierungskosten, ein wegbrechender Absatzmarkt, ein Kreditausfall. Sie wird zum Crash, wenn genügend Marktteilnehmer gleichzeitig Liquidität brauchen und dieselben Positionen verkaufen müssen.

Warum es so schnell geht

Zwei Mechanismen beschleunigen jeden Rückgang.

Verkaufszwang. Wer auf Kredit investiert ist, muss bei fallenden Kursen nachschießen oder verkaufen. Das Verkaufen drückt die Kurse weiter, was den nächsten zum Verkaufen zwingt.

Liquiditätsschwund. In ruhigen Zeiten stehen viele Käufer bereit. Im Stress ziehen sie ihre Gebote zurück. Dieselbe Verkaufsmenge bewegt den Kurs dann um ein Vielfaches.

Beides erklärt, warum Rückgänge steiler verlaufen als Anstiege. Aufwärts geht es aus Überzeugung, abwärts aus Notwendigkeit.

Was die Geschichte zeigt

Breit gestreute Aktienmärkte haben nach jedem bisherigen Einbruch wieder frühere Höchststände erreicht. Die Dauer schwankte allerdings erheblich — von wenigen Monaten nach dem Corona-Einbruch 2020 bis zu mehreren Jahren nach 2000 und 2008.

Was sich daraus ableiten lässt

Für die Praxis folgt daraus weniger eine Prognosefrage als eine Konstruktionsfrage: Wie viel des Vermögens muss in den nächsten drei bis fünf Jahren verfügbar sein — und liegt genau dieser Teil in etwas, das ein Crash nicht mitreißt?

Wer das vorher geklärt hat, muss im Ernstfall nichts entscheiden. Das ist der Unterschied zwischen einem unangenehmen und einem teuren Crash.

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