Besser entscheiden

Panikverkäufe — warum der Ausstieg zweimal richtig sein muss

Von Stefan Domeyer·Diplom-Kaufmann · Gründer von SignalFrog·

Ein Panikverkauf fühlt sich im Moment richtig an. Die Kurse fallen, die Nachrichten bestätigen es, und Verkaufen beendet ein unangenehmes Gefühl sofort. Genau diese sofortige Erleichterung ist das Problem: Sie belohnt eine Entscheidung, deren Kosten erst später sichtbar werden.

Die zwei Entscheidungen

Wer aussteigt, trifft nicht eine Entscheidung, sondern zwei. Die erste ist der Verkauf. Die zweite, schwierigere, ist der Wiedereinstieg — und für die gibt es kein Gefühl, das sie auslöst.

Beim Verkauf hilft die Angst. Beim Rückkauf steht sie im Weg: Die Kurse sind gefallen, die Nachrichten sind schlecht, und jeder Einstieg fühlt sich wie ein Fehler an. Sie steigen typischerweise wieder ein, wenn es sich sicher anfühlt — und dann liegen die Kurse meist über dem Verkaufskurs.

Warum das Timing so unwahrscheinlich ist

Erholungen sind historisch auf sehr wenige Tage konzentriert, und diese Tage liegen meist unmittelbar neben den schlechtesten. Wer den schlimmsten Tag vermeiden will, verpasst mit hoher Wahrscheinlichkeit auch den besten — sie liegen oft in derselben Woche.

Was hilft

Nicht Disziplin — die verlässt einen genau dann, wenn man sie braucht. Sondern Vorentscheidungen: Wie viel darf mein Depot schwanken, ohne dass ich etwas tue? Ab welchem Punkt passe ich an, und in welchen Schritten? Woraus lebe ich, ohne verkaufen zu müssen?

Wer diese Fragen in ruhigen Zeiten beantwortet, muss im Sturm nichts entscheiden. Und genau das ist der Zweck einer nüchternen Risikoeinordnung: sie verschiebt die Frage von „wie fühlt sich das an" zu „hat sich etwas an meiner Lage geändert".

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