Eine Rezession ist ein Rückgang der Wirtschaftsleistung über mehrere Quartale. Für Anleger ist weniger die Definition interessant als der zeitliche Versatz: Wenn eine Rezession offiziell festgestellt wird, liegt ihr Beginn regelmäßig Monate zurück.
Der Versatz ist das Entscheidende
Die Feststellung braucht Daten, Daten brauchen Zeit. In den USA übernimmt diese Datierung ein Ausschuss des NBER, und er datiert rückwirkend — teils mehr als ein Jahr nach dem tatsächlichen Wendepunkt.
Aktienmärkte warten darauf nicht. Sie preisen Erwartungen ein, nicht Vergangenheit. Historisch begannen Kursrückgänge deshalb typischerweise vor dem offiziellen Rezessionsbeginn, und die Erholung setzte oft ein, während die Wirtschaftsdaten noch schlecht waren.
Was vorher sichtbar ist
Mehrere Größen bewegen sich früher als die Wirtschaftsleistung selbst: die Zinsstrukturkurve, die Kreditaufschläge riskanterer Anleihen, die Einkaufsmanagerindizes, die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.
Keine davon ist zuverlässig genug, um allein darauf zu bauen. Jede hat Fehlsignale produziert. Ihr Wert liegt darin, dass sie sich selten gleichzeitig irren.
Was das praktisch heißt
Eine Rezession ist kein Grund, ein langfristiges Depot umzubauen — dafür ist sie zu schlecht vorhersagbar und zu oft schon eingepreist. Sie ist ein Grund zu prüfen, ob die kurzfristig benötigten Mittel dort liegen, wo ein Konjunktureinbruch sie nicht erreicht.