Vermögen & Marktrisiken

Welche Warnzeichen vor Lehman schon sichtbar waren

Von Stefan Domeyer·Diplom-Kaufmann · Gründer von SignalFrog·

Als Lehman Brothers am 15. September 2008 Insolvenz anmeldete, wirkte das für die meisten Anleger wie ein Schock aus heiterem Himmel. Aktienindizes hatten noch ein Jahr zuvor nahe ihren Höchstständen gestanden, die Arbeitslosigkeit war niedrig, und in den Nachrichten war von einer Immobilienkrise die Rede, nicht vom Ende einer Investmentbank. Wer auf die Kreditmärkte schaute, sah die Warnung deutlich früher. Nur eben nicht in einer Form, die auf der Titelseite stand.

Was der Interbankenmarkt schon im Sommer 2007 zeigte

Der TED-Spread misst den Abstand zwischen dem Zins, zu dem sich Banken untereinander kurzfristig Geld leihen, und dem Zins für als sicher geltende US-Staatsanleihen gleicher Laufzeit. In ruhigen Zeiten liegt er im niedrigen zweistelligen Basispunktbereich, Banken vertrauen sich gegenseitig fast so sehr wie dem Staat. Im August 2007, als die französische Bank BNP Paribas drei ihrer Fonds wegen ausgetrockneter US-Hypothekenmärkte einfror, begann er zu steigen. Bis zum Höhepunkt im Oktober 2008 erreichte er knapp 460 Basispunkte, fast das Zehnfache des Normalniveaus. Ein Jahr, bevor Lehman fiel, misstrauten sich Banken also bereits messbar mehr als üblich.

Was der Anleihemarkt schon wusste

Auch der Risikoaufschlag von Hochzinsanleihen gegenüber Staatsanleihen, der Credit Spread, bewegte sich 2007 noch im gewohnten Rahmen von rund 260 Basispunkten. Ende 2008 lag er bei über 2.000 Basispunkten. Der Aktienmarkt blieb bis Herbst 2007 in der Nähe seiner Rekordstände, diese Kennzahl dagegen begann sich schon deutlich früher zu bewegen. Der Grund liegt in einer einfachen Asymmetrie: Anleihegläubiger verlieren bei einem Ausfall alles und gewinnen im besten Fall nur ihren Zins. Diese Vorsicht zeigt sich im Preis, lange bevor sie in den Schlagzeilen steht.

Warum kaum jemand hinsah

TED-Spread und Kreditaufschläge stehen in keiner Tageszeitung und in keiner Standard-Depotübersicht. Um sie als Warnung zu nutzen, musste man wissen, dass es sie überhaupt gibt, und sie dann täglich selbst verfolgen. Das ist neben Beruf und Alltag kaum zu leisten, und genau diese Lücke schließt unsere Methodik: Kreditstress ist einer von mehreren Layern, die BoilingFrog fortlaufend beobachtet, damit die Warnung ankommt, bevor sie schon Geschichte ist.

Hintergrundwissen

Passende Markt Updates