Volatilität misst, wie stark Kurse schwanken — nicht, in welche Richtung. Ein Markt, der über Wochen gleichmäßig steigt, hat niedrige Volatilität. Einer, der jeden Tag drei Prozent in wechselnde Richtungen macht, hat hohe. Beides sagt zunächst nichts darüber, ob man Geld verliert.
Was der VIX misst
Der VIX leitet aus den Preisen von Optionen auf den S&P 500 ab, welche Schwankung der Markt für die nächsten dreißig Tage einpreist. Er ist damit keine Messung der Vergangenheit, sondern eine Erwartung — und zwar eine, für die Marktteilnehmer mit eigenem Geld einstehen.
Der landläufige Name „Angstindex" ist irreführend. Der VIX misst erwartete Bewegung, nicht Furcht. Dass beides meist zusammenfällt, liegt daran, dass große Bewegungen historisch häufiger abwärts als aufwärts erfolgten.
Warum niedrige Werte trügen
Der wichtigste und am schwersten zu akzeptierende Punkt: Ein niedriger VIX bedeutet nicht, dass wenig Risiko im System steckt. Er bedeutet, dass wenig Risiko erwartet wird.
Vor mehreren der größten Einbrüche der letzten Jahrzehnte lag der VIX im unteren Bereich seiner Spanne. Ruhe ist die Voraussetzung dafür, dass sich Positionen aufbauen, die bei der ersten Störung gleichzeitig aufgelöst werden müssen.
Wie man ihn einordnet
Nützlich ist weniger der absolute Stand als die Veränderung. Ein Sprung von zwölf auf zwanzig sagt mehr als ein Verharren bei achtzehn. Und er sagt am meisten, wenn er zusammen mit anderen Größen auftritt — etwa mit steigenden Kreditaufschlägen. Ein einzelner Indikator, der sich bewegt, ist Rauschen; drei, die sich gemeinsam bewegen, sind ein Signal.