Diversifikation ist die einzige Maßnahme in der Geldanlage, die man beinahe umsonst bekommt: Wer sein Kapital auf viele Titel verteilt, senkt die Schwankung, ohne die erwartete Rendite zu opfern. Deshalb gilt sie zu Recht als Grundlage.
Nur: Sie leistet nicht das, was viele von ihr erwarten.
Zwei Arten von Risiko
Einzelrisiko trifft ein Unternehmen oder eine Branche — ein Produktfehler, ein verlorener Prozess, ein Managementfehler. Gegen dieses Risiko wirkt Streuung hervorragend. Schon einige Dutzend Titel aus verschiedenen Branchen nehmen ihm fast die gesamte Wirkung.
Marktrisiko trifft alle gleichzeitig — eine Zinswende, eine Rezession, ein geopolitischer Bruch. Gegen dieses Risiko wirkt Streuung innerhalb der Anlageklasse gar nicht. Hundert Aktien fallen in einem Crash gemeinsam.
Der unangenehme Teil
In ruhigen Zeiten bewegen sich Anlageklassen unterschiedlich, und die Streuung sieht gut aus. In Stressphasen laufen sie zusammen: Wer Liquidität braucht, verkauft, was sich verkaufen lässt — und das ist oft das, was gerade noch im Plus steht.
Was tatsächlich hilft
Gegen Einzelrisiko: breite Streuung, günstig über Indexfonds zu haben.
Gegen Marktrisiko: ein Anteil, der nicht am Markt hängt — Tagesgeld, kurzlaufende Staatsanleihen, schlicht Geld. Nicht, weil es Rendite bringt, sondern weil es einen davor bewahrt, im schlechtesten Moment verkaufen zu müssen.
Die praktische Frage ist deshalb nicht „wie breit bin ich gestreut", sondern „wie lange komme ich aus, ohne etwas verkaufen zu müssen".