Gold hat eine Eigenschaft, die keine andere gängige Anlage teilt: Es ist die Verbindlichkeit von niemandem. Eine Aktie hängt an einem Unternehmen, eine Anleihe an einem Schuldner, Bankguthaben an einer Bank. Gold hängt an nichts.
Genau daraus speist sich seine Rolle — und auch deren Grenze.
Wogegen es geschützt hat
Gegen Vertrauensverlust in Währungen. In Phasen, in denen die Kaufkraft einer Währung offen infrage stand, hat Gold seine Funktion erfüllt.
Gegen negative Realzinsen. Gold zahlt keinen Zins. Dieser Nachteil verschwindet, wenn auch sichere Anlagen nach Inflation nichts mehr abwerfen — historisch die Phasen, in denen Gold am stärksten war.
Gegen systemische Ereignisse, bei denen das Gegenparteirisiko selbst zum Thema wird.
Wogegen es nicht geschützt hat
Gegen normale Aktienmarktkorrekturen. Der Zusammenhang zwischen Gold und Aktien ist historisch schwach und wechselt das Vorzeichen; es gab Einbrüche, in denen Gold mitfiel, weil auch dort Positionen liquidiert wurden.
Und gegen Inflation kurzfristig — über Jahrzehnte hat Gold die Kaufkraft erhalten, über einzelne Jahre ist der Zusammenhang schwach genug, um sich nicht darauf verlassen zu können.
Wie es sich einordnet
Als Beimischung, die sich anders verhält als der Rest — nicht als Reserve. Die Reserve ist das, was auch dann seinen Nennwert hat, wenn man es gerade braucht. Gold kann in genau diesem Moment zwanzig Prozent tiefer stehen.