Market Timing ist der Versuch, günstig einzusteigen und vor dem Rückgang auszusteigen. Der Gedanke ist naheliegend: Wenn Kurse schwanken, muss es bessere und schlechtere Zeitpunkte geben. Es gibt sie auch — nur lassen sie sich nicht vorher erkennen, sondern nur hinterher.
Warum Warten selten hilft
Aktienmärkte steigen über lange Zeiträume häufiger als sie fallen. Wer wartet, ist in einem Markt nicht investiert, dessen Grundrichtung nach oben zeigt. Die Kosten des Wartens laufen also mit, während der erhoffte Vorteil ungewiss bleibt.
Untersuchungen zum Vergleich „alles sofort" gegen „gestaffelt über Monate" kommen deshalb regelmäßig zu demselben Ergebnis: Sofort investieren war in der Mehrzahl der Zeiträume vorn. Nicht immer — nur häufiger.
Der psychologische Haken
Der gestaffelte Einstieg hat trotzdem einen Wert, aber einen anderen als den behaupteten. Er verbessert nicht die erwartete Rendite, er verbessert die Wahrscheinlichkeit, dass man dabeibleibt. Wer alles an einem Tag investiert und drei Wochen später zwölf Prozent im Minus steht, steigt eher wieder aus.
Was ein Risikosignal hier leistet — und was nicht
Es sagt nicht, wann Sie kaufen sollen. Kein seriöses Modell tut das. Es sagt, in welchem Umfeld Sie sich gerade bewegen — ob die Bedingungen ruhig oder angespannt sind.
Das ist eine Einordnung, kein Auslöser. Der Unterschied ist wichtig: Eine Einordnung hilft bei der Frage, wie viel Risiko man derzeit tragen möchte. Ein Auslöser verleitet dazu, genau das Timing zu versuchen, das statistisch nicht funktioniert.