Eine Anleihe ist ein Kredit mit festem Zins und festem Rückzahlungstermin. Solange man sie bis zum Ende hält und der Schuldner zahlt, bekommt man genau das, was am Anfang vereinbart war. Der Kurs dazwischen ist trotzdem wichtig — er entscheidet, was man bekommt, wenn man vorher verkaufen muss.
Der Mechanismus in einem Satz
Steigen die Marktzinsen, werden neu ausgegebene Anleihen attraktiver. Die alte Anleihe mit dem niedrigeren Zins muss im Preis fallen, bis ihre Rendite zur neuen Lage passt. Deshalb bewegen sich Zinsen und Anleihekurse gegenläufig.
Warum die Laufzeit alles ändert
Der Effekt ist umso größer, je länger die Restlaufzeit ist. Bei einer Anleihe mit zwei Jahren Restlaufzeit ist der Nachteil schnell ausgestanden. Bei zwanzig Jahren wirkt er zwanzig Jahre lang — und der Kurs fällt entsprechend tiefer.
Das ist die Erklärung für 2022. Als die Notenbanken die Zinsen in kurzer Zeit kräftig anhoben, verloren langlaufende Staatsanleihen zweistellig. Für viele Anleger war das die Überraschung des Jahrzehnts: Der als sicher geltende Teil des Depots fiel gleichzeitig mit dem Aktienteil.
Was daraus folgt
Für den Teil des Vermögens, der kurzfristig verfügbar sein muss, sind kurze Restlaufzeiten das Mittel der Wahl — der Zinseffekt ist dort gering.
Lange Laufzeiten sind eine Wette auf fallende Zinsen. Das kann man bewusst eingehen. Es sollte nur nicht versehentlich passieren, weil ein Fonds im Namen das Wort „sicher" trägt.