Ein ETF auf den MSCI World hält Anteile an rund 1.400 Unternehmen in 23 Ländern. Diese Zahl beruhigt viele Sparer, und sie beruhigt zu Recht: Das Risiko, dass ein einzelnes Unternehmen die Altersvorsorge beschädigt, ist damit praktisch verschwunden.
Nur ist das nicht das Risiko, um das es geht.
Was Streuung leistet und was nicht
Diversifikation wirkt gegen unternehmensspezifische Ereignisse. Ein Bilanzskandal, ein verlorenes Patent, ein Managementfehler: Bei 1.400 Positionen fällt so etwas kaum ins Gewicht.
Sie wirkt nicht gegen das, was alle Positionen gleichzeitig trifft. Steigen die Zinsen weltweit, verteuert sich die Finanzierung für alle Unternehmen im Index. Zieht sich Kapital aus Aktien zurück, betrifft das jede der 1.400 Positionen. Genau in den Phasen, in denen Streuung helfen soll, bewegen sich die Kurse am ähnlichsten.
Dieser Teil heißt Marktrisiko und lässt sich innerhalb einer Anlageklasse nicht wegdiversifizieren. Wer ihn senken will, muss die Aktienquote senken, nicht die Zahl der Aktien erhöhen.
Der zweite Punkt: So breit ist breit nicht
„Weltweit" beschreibt beim MSCI World die Herkunft der Unternehmen, nicht die Verteilung des Geldes. Der Index gewichtet nach Marktkapitalisierung, und weil amerikanische Unternehmen die höchste Bewertung tragen, entfällt der größte Teil auf die USA. Ein erheblicher Anteil davon liegt in einer Handvoll großer Technologiekonzerne.
Wer einen solchen ETF bespart, hat damit eine Wette auf die amerikanische Wirtschaft und auf einen einzelnen Sektor laufen, ohne sie je bewusst eingegangen zu sein. Das muss kein Fehler sein. Es sollte nur eine Entscheidung sein und kein Nebeneffekt.
Dazu kommt das Währungsverhältnis. Die Papiere im Index notieren überwiegend in Dollar. Für einen Sparer im Euroraum bewegt sich der Wert des Depots deshalb auch dann, wenn an den Kursen selbst nichts passiert.
Warum es auf den Zeitpunkt ankommt
Bei einem Sparplan mit 20 Jahren Restlaufzeit ist ein schwaches Jahr unangenehm und folgenlos: Die laufenden Raten kaufen zu niedrigeren Kursen, und die Zeit gleicht aus.
Diese Rechnung ändert sich, je näher der Ruhestand rückt. Wer in fünf Jahren entnehmen will, hat die Jahre nicht mehr, die ein tiefer Einbruch zum Ausgleich braucht. Dasselbe Ereignis, derselbe ETF, ein anderes Ergebnis. Deshalb ist die Frage „wie riskant ist mein ETF" ohne die Frage „wann brauche ich das Geld" nicht zu beantworten.
Woran Sie merken, dass die Lage sich ändert
Die Risiken, die einen breiten Aktienmarkt insgesamt bewegen, entstehen selten im Aktienmarkt. Sie entstehen bei den Zinsen, in den Kreditmärkten, in der Liquidität des Bankensystems und in der Politik. Dort ist eine Veränderung meist Wochen früher sichtbar als in den Kursen, denen die meisten Anleger zusehen.
Sie müssen diese Größen nicht selbst verfolgen. Boiling Frog verdichtet sie zu einem täglichen Wert und zeigt an, ob sich die Lage verändert hat. Was Sie daraus machen, bleibt Ihre Entscheidung: Ein Frühwarnsystem sagt Ihnen, wann genaueres Hinsehen sich lohnt, nicht was Sie kaufen oder verkaufen sollen.